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1988 - 1998 The wind of change

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1988/89 – 1997/98: The wind of change

Im dritten Jahrzehnt des Heisenberg-Gymnasiums wurden erfolgreiche, nun schon „alte“ Heisenberg-Traditionen fortgeführt. Dazu gehörten die seit den Anfangsjahren unserer Schule ununterbrochen jährlich durchgeführten Austauschmaßnahmen mit dem Collège des Hautes Loges in Marcq en Baroeul und der Latymer Grammar School in Enfield ebenso wie die Inszenierungen der Theater-AG, die 1998 ihre 40. Premiere feierte, oder die Skifahrt der 10. Klassen nach Saalbach-Hinterglemm, die seit Anfang der 1980er JahreHöhepunkt und Abschluss der Mittelstufe war und Schülern wie Lehrern offensichtlich so gut gefiel, dass man auch in den Ferien zusammen dort hinfuhr und z.B. den Jahreswechsel 1995/96 über 50 Oberstufenschülerinnen und -schüler aller drei Gladbecker Gymnasien gemeinsam in dem Wintersportort verbrachten.

Gleichzeitig wurde aber auch manches Althergebrachte auf den Prüfstand gestellt und – wie der Heisenberg-Tag - angesichts sich verändernder Einstellungen, Erwartungen und Bedürfnisse der am Schulleben Beteiligten abgeschafft oder verändert, wie z. B. das Fremdsprachenangebot.

Vor allem aber reflektieren die Ereignisse und Aktivitäten im Mikrokosmos unserer Schule die einschneidenden weltpolitischen Veränderungen - allen voran Glasnost und Perestroika - und das innenpolitische Klima, das angesichts wachsender Ausländerfeindlichkeit Besorgnis hervorrief, ebenso deutlich wie die Probleme und Fragestellungen, mit denen sich die nun heranwachsende Generation konfrontiert sah: der Umweltzerstörung, dem Ungleichgewicht zwischen unserer und der sogenannten „Dritten Welt“, dem Umgang mit der jüngeren deutschen Geschichte, dem Wunsch Heranwachsender nach politischer Mitsprache.

In der Leitung des Heisenberg-Gymnasium fand ein Generationswechsel statt: Die „Gründereltern“, Schulleiter Herbert Sokolowski und seine Stellvertreterin Lieselotte Sures gingen in den Ruhestand. Sie übergaben ihren Nachfolgern, Heidrun Schütte-Ständeke und Stephan Schröder, eine gut bestellte, lebendige und offene Schule. Diese verstanden es, den besonderen Charakter des Heisenberg-Gymnasiums zu wahren und die Schule dennoch den Erfordernissen der Zeit und ihrem eigenen Stil entsprechend weiterzuentwickeln.

Die Entwicklung des Heisenberg-Gymnasiums in Zahlen

Im dritten Jahrzehnt seit der Gründung unserer Schule hielt der Trend zum Gymnasium ungebrochen an: 1994 existierten von den ursprünglich vier Gladbecker Hauptschulen nur noch zwei, die beiden übriggebliebenen waren nur noch einzügig. Auch an den Realschulen gingen die Anmeldungen zurück.

Im Jubiläumsjahr 1993 unterrichteten an unserer Schule 38 Lehrer und 21 Lehrerinnen. Die Schülerzahlen sanken deutlich: 1998, am Ende unseres dritten Jahrzehnts legten 61 Schülerinnen und Schüler mit Erfolg die Abiturprüfung ab, 34 davon waren weiblich.

Öffnung nach Osten

Dank der Politik Michail Gorbatschows, die ein Klima des Wandels in der UdSSR und in den anderen Staaten des Warschauer Paktes hervorrief, wurde 1989 etwas möglich, das bis dahin undenkbar schien: 25 russische Schülerinnen und Schüler im Alter von 15-17 Jahren reisten im April aus Rostow am Don nach Gladbeck, ebenso viele Heisenberger Schülerinnen und Schüler fuhren im Juni darauf zum Gegenbesuch zum „Tor zum Kaukasus“. Es war der erste Schüleraustausch zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR überhaupt, und er wurde von nun an bis 2007 jedes Jahr durchgeführt. Welche besondere Bedeutung dieser Begegnung beigemessen wurde, zeigt die Tatsache, dass Schulleiter Sokolowski selbst 1992 mit nach Russland reiste und sogar begann, die russische Sprache zu erlernen.

Angesichts der Lebensumstände ihrer russischen Austauschpartner regten die Russisch-Schülerinnen und -schüler des Heisenberg-Gymnasiums eine Spendenaktion an, um den Menschen in Rostow zu helfen. Sie fand im Dezember 1990 und Januar 1991 statt und brachte 7 000 DM für den Kauf von Lebensmitteln und Medikamenten zusammen, darüber hinaus spendeten die Schülerinnen und Schüler unserer Schule mit ihren Eltern Kleidung und Spielzeug.

Im November 1991 führte ein Puppentheater aus Rostow am Don das altrussische Märchen „Teremok“ am Heisenberg-Gymnasium auf.

Die Nachrichten über die angespannte innenpolitische Lage in der UdSSR – das Land befand sich am Rande eines Bürgerkrieges -, in die sie anlässlich ihres Besuchs in der Redaktion der WAZ näheren Einblick gewannen, hob bei den 18 russischen Abiturienten und Abiturientinnen, die Ende September bis Anfang Oktober1993 zu Gast in Gladbeck waren, und ihren deutschen Austauschpartnern große Besorgnis hervor. In den teilweise heftigen Diskussionen über die Verfassungskrise bezogen die meisten Position für Boris Jelzin.

Dass diese Partnerschaft – wie jede wahre Freundschaft – durchaus nicht unkritisch war, wird an der Reaktion der Schülerinnen und Schüler des Heisenberg-Gymnasiums angesichts des russischen Einmarschs in Tschetschenien im Dezember 1994 deutlich, nachdem die Republik sich im November 1991 nach einem umstrittenen Referendum für unabhängig erklärt hatte. Im Januar 1995 sendeten sie Protestbriefe an ihre Partnerschule in Rostow am Don sowie an die russische Botschaft in Bonn, um auf die schlimme Lage der Menschen in Tschetschenien aufmerksam zu machen, den Einmarsch zu verurteilen und dazu aufzufordern, die Kampfhandlungen sofort zu beenden.

Aber nicht nur auf Ebene der Schüler, sondern auch auf der der Lehrer gab es zu Beginn der 1990er Jahre einen Austausch mit der UdSSR: Im Januar 1990 reiste Christoph Pocha als erster Lehrer der Bundesrepublik Deutschland in die UdSSR, um an einer Schule in Pensa, einer 650 000 Einwohner zählenden Stadt nördlich von Moskau, einen Monat lang Englisch zu unterrichten. Im Gegenzug konnten die Schülerinnen und Schüler unserer Schule im Mai darauf bei der russischen Lehrerin Lilija Sabrodina die russische Sprache und Literatur kennenlernen. Der Lehreraustausch fand im Rahmen des Kulturabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion statt.

Nach dem Fall der Mauer, noch kurz vor dem offiziellen Ende des Warschauer Pakts wurden auch nach Polen Kontakte geknüpft. Im September 1990 unternahm der Geschichts-Leistungskurs des Heisenberg-Gymnasiums eine Studienfahrt durch Polen und verbrachte dabei auf Einladung des dortigen Bürgermeisters auch zwei Tage in Wodzislaw, der zukünftigen Partnerstadt Gladbecks. Bei dieser Gelegenheit wurden sogleich Pläne für einen deutsch-polnischen Schüleraustausch zwischen den beiden Städten geschmiedet. Bereits im Januar darauf besuchten zwölf Schülerinnen und Schüler aus Wodzislaw Gladbeck und unsere Schule. In den nächsten Jahren fand dieser Austausch jedes Jahr statt.

Zeitweise begegneten sich damit – je nach Austauschkalender - an unserer Schule deutsche, englische, französische und russische Jugendliche gleichzeitig.

Die „Wendestimmung“ wird auch an den Themen der Vorträge an den letzten Heisenberg-Tagen deutlich: im Dezember 1989 hielt Jürgen Weiss, Leitender Ministerialrat in der Osteuropa-Abteilung des Auswärtigen Amtes einen Vortrag über „Deutsche – Polen – Russen, Vergangenheit und Gegenwart“ und im Juni 1991 fragte die Berliner Journalistin Marlies Menge: „Wie lange wird es noch zwei Deutschländer geben?“

Im Jubiläumsjahr 1993 reiste das gesamte Kollegium des Heisenberg-Gymnasiums nach Thüringen, um Kontakte in die Neuen Länder zu knüpfen.

Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass wiederholt Schülergruppen unserer Schule den Schülerwettbewerb „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn“ gewannen, der vom nordrhein-westfälischen Arbeits- und Sozialministerium ausgelobt wurde.

 

Das Heisenberg-Gymnasium bekommt eine neue Schulleitung

Kurz vor dem 25-jährigen Schuljubiläum trat die erste Schulleitung des Heisenberg-Gymnasiums ab und ging in den wohlverdienten Ruhestand: Vor den Sommerferien 1990 wurde die stellvertretende Schulleiterin Lieselotte Sures verabschiedet, Schulleiter Herbert Sokolowski folgte ihr zwei Jahre später. Damit ging eine Ära zu Ende, denn die beiden hatten als Gründungs-Schulleitung die Schule vom ersten Tag an aufgebaut, in ihrem Sinne geprägt und zu dem gemacht, was sie war.

Die Neubesetzung der Stellvertreter-Stelle entwickelte sich zu einer Provinzposse sondergleichen: Aufgrund einer Klage eines Mitbewerbers vom Riesener-Gymnasium konnte die von der Stadt Gladbeck und der Bezirksregierung in Aussicht genommene Kandidatin Heidrun Schütte-Ständeke, Lehrerin für Deutsch und Geschichte am Max-Planck-Gymnasium in Gelsenkirchen-Buer, ihren Posten nicht, wie vorgesehen, zum 2. Halbjahr des Schuljahres 1990/91 antreten. Da sie aber auch schon in der Unterrichtsverteilung des Heisenberg-Gymnasiums fest eingeplant war, wurden Lehrkräfte vom Riesener-Gymnasium abgeordnet, um diese Stunden zu übernehmen. Frau Schütte Ständeke wiederum musste am Riesener-Gymnasium die Kolleginnen und Kollegen vertreten, die für sie am Heisenberg-Gymnasium unterrichteten. Dieser für alle Beteiligten unzumutbare Zustand dauerte rund acht Monate: Erst im Oktober 1991 konnte die Kandidatin die Stelle der stellvertretenden Schulleiterin an unserer Schule antreten.

Bei der Besetzung der Schulleiter-Stelle hingegen ging alles glatt und sehr schnell über die Bühne: Die Stelle wurde frühzeitig ausgeschrieben, und schon Anfang Juli 1992 stand fest: Die neue Schulleiterin des Heisenberg-Gymnasiums hieß … Heidrun Schütte-Ständeke! Die Wahl des Schulausschusses war einstimmig ausgefallen.

Nun war wiederum der Posten der stellvertretenden Schulleitung neu zu besetzen: Stephan Schröder, seit 1977 am Heisenberg-Gymnasium Lehrer für Deutsch und Geschichte und bisher Erprobungsstufen-Koordinator, wurde neuer stellvertretender Schulleiter unserer Schule.

25 Jahre Heisenberg Gymnasium

Im Schuljahr 1993/94 feierte unsere Schule ihr 25-jähriges Bestehen mit vielen besonderen Veranstaltungen. Auftakt und Höhepunkt war die Festwoche Anfang Oktober, bei der unter anderem ein Festakt mit einem Gastredner vom Münchener Max-Planck-Institut für Physik, ein Frühschoppen mit Eltern, Lehrern und Ehemaligen, eine Kino-Vorstellung, eine Schüler-Disco, Projekttage, ein Literaturabend sowie eine große Party in der Stadthalle auf dem Programm standen.

Zum Anlass des Jubiläums wurde auch eine Festschrift veröffentlicht, die die Geschichte der Schule und das Schulleben aus verschiedensten Perspektiven beleuchtete und deutlich machte: An dieser Schule herrschte auch weiterhin ein offener, kreativer und kritischer Geist.

Den krönenden Abschluss des Jubiläums-Schuljahres bildete ein gemeinsamer Ausflug aller Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer des Heisenberg-Gymnasiums: Mit einem Dampflok-gezogenen Sonderzug ging es nach Bonn und Königswinter, wo für verschiedene Gruppen Wanderungen, Museumsbesuche und eine Schifffahrt auf dem Rhein angeboten wurden.

Deutsch-türkische Beziehungen

Schülerinnen und Schüler mit türkischen Wurzeln waren nun schon seit mehreren Jahren ein wichtiger Teil der Schulgemeinde, zu deren Bereicherung sie und ihre Eltern spürbar beitrugen. Unter anderem fanden regelmäßig deutsch-türkische Freundschaftsfeiern mit Schülerinnen und Schülern sowie ihren Eltern statt, und am Tag der offenen Tür und zu Schulfesten leisteten die türkischen Familien – bis heute – stets einen wesentlichen Beitrag zum kulinarischen Angebot.

Seit Mitte der 1980er Jahre konnten Schülerinnen und Schüler mit türkischen Wurzeln an unserer Schule ihre Kenntnisse der türkischen Sprache nicht nur im Muttersprachlichen Ergänzungsunterricht festigen und vertiefen, sondern das Fach Türkisch als zweite Fremdsprache im Wahlpflichtbereich ab Klasse 7 belegen. Beim Tag der offenen Tür im Januar 1994 wurde Türkisch erstmals als mögliches Abiturfach vorgestellt.

Als Anfang der 1990er Jahre die Vorbereitungen zu einer Städtepartnerschaft zwischen Gladbeck und Alanya getroffen wurden, sah man am Heisenberg-Gymnasium darin die Chance, auch mit der Stadt an der türkischen Mittelmeerküste einen Schüleraustausch zu etablieren. Anders als bei den Austauschmaßnahmen mit Marcq-en-Barœul und Enfield, die für Schülerinnen und Schüler konzipiert waren, die die Sprache des Partnerlandes erlernten, sollte sich dieses Angebot nicht hauptsächlich an Schülerinnen und Schüler richten, die das Fach Türkisch belegt hatten. Vielmehr sollten Schülerinnen und Schüler mit türkischen Wurzeln als „Kulturvermittler“ für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aktiv werden. Kurzerhand lud man eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus Alanya zu den Feierlichkeiten im Rahmen des 25-jährigen Schuljubiläums Ende September 1993 nach Gladbeck ein, zu denen auch Vertreter der Partnerschulen in Frankreich, England, Russland und Polen erwartet wurden. Zur großen Enttäuschung der Gladbecker sagte das türkische Gymnasium aber kurz vor Antritt des für Ende September geplanten Besuchs ab, da man vor dem Hintergrund der Anschläge von Mölln (November 1992) und Solingen (Mai 1993) um die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler und ihrer Begleiter besorgt war. Der Bürgermeister von Alanya wollte vermitteln und lud eine Delegation des Heisenberg-Gymnasiums ein.

Im Oktober verbrachte eine Delegation der Stadt Gladbeck und des Heisenberg-Gymnasiums – die neue Schulleiterin Schütte Ständeke sowie vier Schülerinnen und Schüler – eine Woche in Alanya, um sowohl die Städtepartnerschaft als auch den Schüleraustausch vorzubereiten. Sie sahen sich mit der Vorstellung konfrontiert, in Deutschland herrsche wegen der ausländerfeindlichen Ausschreitungen der Kriegszustand. Es gelang der Delegation aber, diese Besorgnis zumindest insoweit auszuräumen, dass die türkische Seite bereit war, einen Besuch von Schülerinnen und Schülern aus Alanya für den Januar des folgenden Jahres zu vereinbaren. Dieser Besuch, an dem 20 Schülerinnen und Schüler teilnahmen, fand dann Ende Januar bis Anfang Februar auch tatsächlich statt. In den folgenden Jahren wurde die Austauschmaßnahme wiederholt mit Erfolg durchgeführt, doch kam er zum Erliegen, als unserer Schule eine andere Partnerschule in Alanya zugewiesen wurde.

Französisch als erste Fremdsprache

Zum Schuljahr 1994/95 sollten nach den Plänen der Schulleitung des Heisenberg-Gymnasiums die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen die Möglichkeit haben, statt Englisch Französisch als erste Fremdsprache zu erlernen. Hintergrund waren die seit mehreren Jahren bestehende intensive Partnerschaft mit dem Collège des Hautes Loges in Marcq-en-Baroeul und der Wunsch, unsere Schule auch für besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler attraktiver zu machen. Gegen diese Pläne erhob aber das Rats-Gymnasium Einspruch, das sich als „das“ neusprachliche Gymnasium am Ort sah und ebenfalls Französisch ab Klasse 5 einführen wollte. Dabei ging man davon aus, dass es für zwei solcher Klassen in Gladbeck keinen Bedarf geben würde. So musste die Bezirksregierung in Münster entscheiden: Den Zuschlag erhielt das Heisenberg-Gymnasium mit der Begründung, dass dieses den Antrag zuerst gestellt habe und das Rats-Gymnasium bereits Latein als Fremdsprache ab Klasse 5 anbiete.

Damit sah das umfangreiche Fremdsprachenangebot am Heisenberg-Gymnasium wie folgt aus: In der 5. Klasse hatten die Schülerinnen und Schüler die Wahl zwischen Englisch und Französisch, in der 7. Klasse zwischen Französisch, Latein und Türkisch als zweiter Fremdsprache, in der 9. Klasse zwischen Französisch, Russisch und Latein als dritter Fremdsprache, und in der 11. Klasse konnten sie Russisch als neu einsetzende Fremdsprache wählen.

Vor dem Hintergrund der Einführung von Englisch als erster Fremdsprache an den Grundschulen und der Verkürzung des gymnasialen Bildungsgangs auf acht Schuljahre bestand nach diesem Angebot aber schon bald nicht mehr genügend Nachfrage. 2013 machte der letzte Jahrgang, in dem noch Schülerinnen und Schüler Französisch als erste Fremdsprache ab Klasse 5 oder Russisch als dritte Fremdsprache belegt hatten, Abitur.

Erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben

In vielen Bereichen machten die Schülerinnen und Schüler des Heisenberg-Gymnasiums durch die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben immer wieder von sich reden: So gewannen zwei Kinder einer 6. Klasse, die mit Unterstützung ihres Deutschlehrers am Gulliver-Erzählwettbewerb teilgenommen hatten, einen Preis. Ebenso gewannen zwei Kinder einer 7. Klasse 1996 beim landesweiten Schreibwettbewerb „Wie ich mir meine Schule vorstelle“. Wiederholt belegten Heisenberg-Teams vorderste Plätze beim Börsen-Planspiel der Sparkasse, 1998 gewann eine 7. Klasse den Kreativ-Wettbewerb der Volksbank zum Thema „Abenteuer Kommunikation“.

Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte

Auch wenn dies vorher durchaus auch schon vorgekommen war, so fällt doch auf, dass im dritten Jahrzehnt unserer Schule einige unserer Schülerinnen und Schüler, unterstützt durch Kollegen der Geschichts-Fachschaft, begannen, sich besonders intensiv und kritisch mit der jüngeren deutschen Geschichte auseinandersetzten und die Lehren aus der Vergangenheit für ihre Gegenwart und Zukunft fruchtbar zu machen.

Regelmäßig nahmen Schülergruppen des Heisenberg-Gymnasiums am Geschichts-Wettbewerb des Bundespräsidenten teil, und wiederholt waren sie hierbei erfolgreich: So untersuchten sie 1988/89 im Rahmen des Wettbewerb-Themas „Unsere Stadt – Heimat für Fremde“ die Geschichte der Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die von 1945-1960 nach Gladbeck kamen, sowie der Gastarbeiter, die in den 1960ern in unsere Stadt kamen. Hierzu forschten sie u. a. im Archiv der Stadt Gladbeck und führten Interviews mit Zeitzeugen. 1992/93 ging es um das Thema „Denkmal: Erinnerung – Mahnung – Ärgernis“, und eine Arbeitsgruppe des Heisenberg-Gymnasium scheute keinen Aufwand, um einen im Wittringer Wald vergrabenen Kolonialstein ausfindig zu machen, auszugraben und anhand dieses „Steins des Anstoßes“ den Umgang mit der deutschen Kolonialgeschichte kritisch zu beleuchten. 1994/95 lautete das Thema „Vom Armenhaus zur Suchtberatung. Die Geschichte des Helfens“, und die Heisenberger Geschichtsforscher nahmen die NS-Zeit und den Umgang mit den Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg in den Blick. 1997 gewannen zwei unserer Schülerinnen beim Geschichts-Wettbewerb des Bundespräsidenten mit ihrer Arbeit zum Thema „Zwangsarbeiter in Bottrop und Umgebung“ einen Preis.

Im Schuljahr 1990/91 befasste sich der Leistungskurs Geschichte der Jahrgangsstufe 12, motiviert durch den Besuch der Ausstellung „Verdrängte Geschichte“ und eine Studienfahrt nach Auschwitz/Birkenau, mit den Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in Deutschland, insbesondere in Gladbeck. Daraus entstanden eine eigene Ausstellung zu diesem Thema sowie die Idee zu einem Denkmal für die Zwangsarbeiter in Gladbeck, das mit Spendengeldern finanziert werden sollte. Die Künstlerin Tisa von der Schulenburg erklärte sich bereit, das Relief für einen Gedenkstein zum Selbstkostenpreis zu schaffen. Er wurde am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, feierlich eingeweiht. Besondere Gäste bei der Feier waren die polnischen Austausch-Schülerinnen und -Schüler aus Wodzislaw.

Im Juni 1992 wurden die Schülerinnen und Schüler, die die Ausstellung zu den Zwangsarbeitern in Gladbeck zusammengestellt hatten, durch den Initiativkreis „Demokratisches Handeln“ der Theodor-Heuss-Stiftung geehrt: Sie wurden nach Bonn zu einem Workshop mit Vertretern aus Politik, Kultur und Medien eingeladen. Außerdem erhielten sie die Möglichkeit, an der Tagung „Lernstatt Demokratie“ im Pädagogischen Landesinstitut Brandenburg in Ludwigsfelde teilzunehmen.

Zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1995 erinnerten Schülerinnen und Schüler des Heisenberg-Gymnasiums an die zivilen Opfer des Krieges und die Zwangsarbeiter aus Gladbeck, Enfield und Marcq. Die russischen Gast-Schülerinnen und -schüler aus Rostow am Don berichteten über die Feierlichkeiten am 9. Mai in ihrer Heimat.

Im Juli 1995 fand auf Initiative des Geschichts-Leistungskurses der Jahrgangsstufe 12 eine Podiumsdiskussion mit Politikern und Historikern statt. Die provokative Fragestellung lautete: „Ist es heute noch zeitgemäß, Straßen oder Schulen nach Imperialisten, Rassisten oder Militaristen zu benennen?“ Vorhergegangen waren intensive Recherchen der Schülerinnen und Schüler zu diesem Thema und eine groß angelegte Umfrage. Konkret wurde diese Frage in der Kontroverse um eine mögliche Umbenennung der Loewenstraße in Kirchhellen in „Pater-Kolbe-Straße“: Die SPD war dafür. Sie kämpfte bereits seit elf Jahren für die Umbenennung und dankte dem Geschichtskurs für die Unterstützung durch seine Arbeit. Die CDU war gegen die Umbenennung und warf den Schülerinnen und Schülern und ihrem Lehrer „Geschichtsverfälschung“ vor. Auf die Entscheidung der Bezirksvertretung gegen die Umbenennung reagierten die Heisenberger mit fassungslosem Unverständnis.

Auch die Begegnung mit Zeitzeugen ließ Geschichte lebendig und erlebbar werden: So berichtete im April 1997 die 84-jährige Sonja Sonnenfeld über 100 Schülerinnen und Schülern des Heisenberg-Gymnasiums von ihren Erlebnissen zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft und über die Taten des Schweden Raoul Wallenberg, der zahlreichen Juden das Leben rettete.

Soziales Engagement

Eine 6. Klasse sammelte im Dezember 1993 über 500 DM für die Aktion „Solidarität mit Zambia“, eine 8. Klasse spendete im März 1994 600 DM an den Kinderschutzbund, Geld, das die Schülerinnen und Schüler dadurch eingenommen hatten, dass sie sich ein halbes Jahr lang um den Milchverkauf gekümmert hatten, im Juni 1994 spendeten eine 5. und eine 7. Klasse 600 DM, die sie durch Spenden und den Verkauf eines selbst hergestellten Kalenders eingenommen hatten, für die Behandlung von Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten an das Oberhausener Friedensdorf und erhielten Gelegenheit, bei einem Besuch im Friedensdorf zu sehen, wofür ihr Geld verwendet wurde. Derart motiviert brachten sie im folgenden Schuljahr erneut über 820 DM auf und besuchten zum zweiten Mal das Friedensdorf. 1997 befasste sich eine 5. Klasse im Unterricht zum Thema „Kinder der Welt“ auch mit den von den Folgen des Unglücks von Tschernobyl betroffenen Kindern in Weißrussland. Erschüttert über deren Schicksal und die Zustände in den Waisenhäusern organisierten die Fünftklässler mit ihrem Lehrer eine Spendenaktion für das Waisenhaus sowie das Frauenhaus in Mosyr. Die Wette mit ihrem Klassenlehrer, dass sie eine Tonne Lebensmittel zusammenbekommen würden, gewannen sie locker und erhielten dafür eine Woche „Hausaufgabenfrei“. Ein Schulprojekt unterstützte schon seit Jahren das Internat „Gunichas“ in Namibia. 

Politisches Engagement

Auf vielerlei Weise befassten sich die Schülerinnen und Schüler des Heisenberg-Gymnasiums weit über den Unterricht hinaus mit aktuellen politischen Themen. Sie leisteten damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zu ihrer politischen Mündigkeit, sondern nahmen damit auch spürbar Einfluss in ihrer Stadt.

Ende 1991 riefen Schülerinnen und Schüler unserer Schule ihre Mitschüler, Eltern und Lehrer zu einer Unterschriftenaktion und zu einer Spende für eine großflächige Anzeige in den Gladbecker Tageszeitungen auf. Die Jugendlichen wollten damit ein Zeichen gegen die seit der Wiedervereinigung zunehmend sichtbar werdende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland setzen. Mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung, der Landeszentrale für politische Bildung NRW und eines ihrer Lehrer veranstalteten sie ein Seminar über Ausländerfeindlichkeit an ihrer Schule.

Ende 1992 organisierten sie gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der beiden anderen Gladbecker Gymnasien sowie der Gesamtschule eine Demonstration gegen Gewalt und Fremdenhass in der Gladbecker Innenstadt, an der ca. 2 500 Menschen teilnahmen. Aktueller Hintergrund war der Anschlag von Mölln, mit dem die Schülerinnen und Schüler sich auf eigenen Wunsch auch im Unterricht verschiedener Fächer intensiv befassten. Als kaum ein halbes Jahr später ein weiter Anschlag auf eine türkische Familie in Solingen stattfand, beriefen die Schülerinnen und Schüler spontan eine Vollversammlung der Schulgemeinde ein, auf der sie ihrer Trauer um die fünf Toten Ausdruck verliehen und mahnten, die Zukunft unseres Landes nicht den Rechtsradikalen zu überlassen.

1995 forderten Heisenberger Schülerinnen und Schüler Solidarität mit den „Teppichkindern“ und schlossen sich den Aktionen von Terre des Hommes, Brot für die Welt und Misereor an, indem sie über die Situation der Kinder in Indien und Pakistan informierten, Unterschriften sammelten, um sie an den pakistanischen Botschafter zu senden, und in Teppichgeschäften vor Ort kritisch nach der Herkunft der angebotenen Waren fragten. Entstanden war die Aktion aus dem Religionsunterricht, Schülerinnen und Schüler des Rats-Gymnasiums schlossen sich an.

Eine weitere Aktion der Heisenberger „Terre des Hommes“-Gruppe sorgte im Jahr darauf für Schlagzeilen: Die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen machten in der Gladbecker Innenstadt mit einem „Kriegsursachen-Puzzle“ auf die Situation von Kindern in Kriegsgebieten, insbesondere auf Verletzungen durch Landminen, aufmerksam.

Auf Initiative der Schülerinnen und Schüler wurde Ende 1996 an unserer Schule ein „Eine-Welt-Forum gegründet“. Ziel war es, das Heisenberg-Gymnasium zu einer ökologischen Schule zu machen und so zur Umsetzung der Agenda 21 beizutragen. Das Eine-Welt-Forum des Heisenberg-Gymnasiums erhielt 1997 mit 8500 DM den höchsten Einzelbetrag, mit dem die Stadt Gladbeck Organisationen unterstützte, die Entwicklungsarbeit betrieben.

Groß in Mode waren den Zeitungsartikeln zufolge in den 1990er Jahren Umfragen zu allen möglichen Themen. Vorreiter waren hier die Grund- und Leistungskurse im Fach Sozialwissenschaften: Sie führten regelmäßig Wahlprognosen und Politbarometer zu aktuellen politischen Themen wie möglichen neuen Ladenöffnungszeiten, dem Wahlrecht für Ausländer und der derzeitigen wirtschaftlichen Lage durch, die immer wieder heftige Diskussionen in der Öffentlichkeit auslösten. Eine Umfrage einer 10. Klasse in Kooperation mit der VHS kam zu überraschenden Ergebnissen, die deutlich machten, wie sehr mehr Aufklärung zu diesem Thema vonnöten war.

Die Einrichtung des bis heute existierenden Jugendrats der Stadt Gladbeck geht auf eine Initiative von Schülerinnen und Schülern des Heisenberg-Gymnasiums zurück. Um herauszufinden, wie groß die Unterstützung dieser Idee unter den Kindern und Jugendlichen in Gladbeck war, erhielt ein Leistungskurs im Fach Sozialwissenschaften im Herbst 1997 finanzielle Unterstützung, um an 13 Gladbecker Schulen eine entsprechende Meinungsumfrage durchführen zu können. Die Schülerinnen und Schüler dieses Kurses waren es dann auch, die den Vertretern der Stadt ein Konzept für ein solches Jugendparlament vorstellten.

Gegen die Oberstufenreform, die zum Schuljahr 1996/97 eingeführt werden sollte, protestierten Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern gemeinsam.

Engagement für den Umweltschutz

Auch in diesem Bereich, der in den 1990er Jahren zunehmend an Bedeutung gewann, waren unsere Schülerinnen und Schüler, insbesondere in den Biologie-Kursen, sehr aktiv. An erster Stelle ist hier das Engagement für den Nordparkteich zu nennen, in dem sie immer wieder Messungen mit Besorgnis erregenden Ergebnissen durchführten und die Stadt zum Handeln aufforderten. 1995 und 1997 belegten Schülerinnen und Schüler des Heisenberg-Gymnasiums für ihre Verdienste um den Nordparkteich den 1. Platz beim Umweltpreis der Stadt Gladbeck. Für die letzten Fledermäuse in Gladbeck baute ein Siebtklässler mit seinem Großvater Kästen, die im Nordpark aufgehängt wurden.

Eine 9. Klasse empfand 1997 die Raumtemperatur in den Klassenräumen als viel zu hoch. Da sich die Schülerinnen und Schüler dem Motto der Klimakonferenz von Rio „Global denken, lokal handeln“ verpflichtet fühlten, erarbeiteten sie daraufhin ein Energiespar-Konzept, das sie der Stadt Gladbeck vorlegte. Zwar belegte das Projekt bei dem von der Stadt ausgelobten Umweltpreis den dritten Platz, doch rief es auch heftige Diskussionen hervor, die nach Meinung der Schülerinnen und Schüler am Thema vorbeigingen, und führte zu Kompetenzstreitigkeiten.

Das Abitur in den 1990er Jahren

Im März 1993 fragten die Ruhr-Nachrichten – mal wieder – nach der Meinung der Schulleiter der drei Gladbecker Gymnasien sowie der Gesamtschule zur Diskussion um die Verkürzung der Schulzeit. Diesmal ging es konkret um die Streichung des 13. Schuljahres. Die Meinungen hierzu gingen weit auseinander.

Am Ende desdritten Jahrzehnts verließen 61 Heisenberger unsere Schule mit dem Abitur in der Tasche, darunter 34 junge Frauen.

Ein Artikel aus dem Jahr 1993 beschreibt die Feierlichkeiten anlässlich des Abiturs, die im Wittringer Gildesaal stattfanden: Demnach folgten auf die Zeugnisverleihung mit vorhergehenden Reden von Schulleitung, Elternvertreter, Schülersprecherin, Bestenehrung und musikalischem Rahmenprogramm ein Abendessen und eine Feier bis tief in die Nacht.

Anja Peters-Kern

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