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Das Heisenberg-Gymnasium übernimmt die Patenschaft über weitere sieben Stolpersteine

Stolpersteine sind unsere Wegweiser
Im September fand in Gladbeck die fünfte Stolpersteinaktion, initiiert durch das Gladbecker Bündnis für Courage, statt. Auch diesmal nahmen wir als Heisenberg-Gymnasium mit einer Schülergruppe, betreut von Herrn Winkler und Frau Dr. Giese, teil. Mittlerweile gibt es in Gladbeck mehr als 100 Stolpersteine, die uns an Gladbecker Bürgerinnen und Bürger, die von den Nazis ermordet, verfolgt, misshandelt oder vertrieben wurden, erinnern sollen. Stolpersteine sind auf unseren Wegen in Gladbeck verlegt, sie enthalten Erinnerungen an das Geschehene. Sie sind mahnend und sollen uns die Augen öffnen, damit wir aufmerksam bleiben und die Werte, die unsere Demokratie ausmachen, bewahren und Wege der Freiheit und des Friedens beschreiten.

Damit auch weiterhin die Geschichte der Opfer des Nationalsozialismus in Erinnerung gerufen wird, haben wir Heisenberger am 27.09.2019 für Ester Erna Blutstein und die Familie Ottmann, die aus den Eltern Salomon und Ester und den vier Söhnen Solly, Jakob, Jsidor Hermann und Moritz besteht, die Patenschaft für insgesamt sieben weitere Stolpersteine übernommen. Diese wurden auf der Horster Str. 54 von dem Künstler Gunter Demnig verlegt. Das Haus auf der Horster Str. 54 ist im Jahr 2018 nach den ehemaligen jüdischen Eigentümern Ida und Max Kaufmann benannt worden.
Ester Erna Blutstein war die Tochter von Ida und Max Kaufmann. Sie wuchs mit fünf Geschwistern in Gladbeck auf und heiratete 1936 den Buchhalter Abraham Leon Blutstein. Die gemeinsame Tochter Batya (Betty) wurde am 7.08.1937 in Gladbeck geboren. Das Ehepaar und seine kleine Tochter wurden im Jahr 1938 nach Polen abgeschoben. Von dort flohen sie weiter nach Osten: Erst nach Sibirien, dann nach Kasachstan und schließlich nach Taschkent (Usbekistan). Ester Erna Blutstein verstarb am 5.01.1942 während der Flucht an Tuberkulose. Ihr Mann und ihre kleine Tochter Betty gelangten nach vielen Stationen der Flucht schließlich im Jahr 1947 nach Palästina, dem heutigen Israel.
Die Familie Ottmann lebte mit ihren vier Söhnen ebenfalls auf der Horster Str. 54 in Gladbeck. Der Vater Salomon Ottmann war als Religionslehrer und Hilfskantor tätig. Zudem arbeitete er als Buchhalter. In der Pogromnacht am 9.11.1938 wurde er zusammen mit seiner Familie verhaftet und verbrachte 14 Tage im Gefängnis. Zuvor wurde er brutal misshandelt. Auch Ester Ottmann, geb. Haber, verw. Spann wurde inhaftiert, konnte aber gemeinsam mit ihren vier Kindern das Gladbecker Gefängnis nach 12 Stunden wieder verlassen. Um ihre vier Söhne vor den Nazi-Schergen zu retten, schickten Salomon und Ester Ottmann ihre Kinder Solly, Jakob, Jsidor Hermann und Moritz kurze Zeit nach der Pogromnacht auf einen Kindertransport nach England. Auch der Vater Salomon erhielt im Juni 1939 ein Transitvisum und konnte damit nach England fliehen und Nazideutschland verlassen. In England wurde er allerdings als deutscher Kriegsgegner nach kurzer Zeit von den Engländern inhaftiert und verbrachte zwei Jahre in einem englischen Gefängnis. Die Mutter Ester erhielt kein Visum und musste einem Schmuggler 1000 Reichsmark dafür zahlen, dass er sie illegal nach Holland brachte. Als die Niederlande auch von den Nazis besetzt wurden, musste sie zunächst den Judenstern tragen und schließlich für ca. zwei Jahre in einem Versteck in Amsterdam untertauchen. Nach dem Krieg fand sich die gesamte Familie Ottmann glücklicherweise in Manchester wieder.
Einige Tage vor der Stolpersteinverlegung fand die feierliche und bewegende Gedenkfeier für die Gladbecker Opfer des Nationalsozialismus statt. Dort stellten wir Heisenberger die Biographien der Personen vor, für die wir am 27.09.2019 die Stolpersteine verlegen würden. Die Informationen dafür erhielten wir u.a. aus Dokumenten des Gladbecker Stadtarchivs. Weitere wertvolle Informationen bekamen wir durch die Enkelin von Max und Ida Kaufmann, Chaja Kaufmann. Durch intensive Recherchen knüpften wir Familienkontakte, z.B. zu den Enkeln von Ester Erna Blutstein und den Kindern von Jsidor und Moritz Ottmann. Sie halfen uns, den Weg der Familien zu verfolgen und sogar an Fotografien der Familie Ottmann zu gelangen. Dadurch wurde deutlich, dass die Geschichte niemals abgeschlossen ist und die Familien mit dem schrecklichen Schicksal ihrer Eltern und Großeltern weiter leben müssen. Sehr stolz sind wir, dass die Tochter Vicky und der Enkelsohn Andrew von Moritz Ottmann extra aus London zur Stolpersteinverlegung anreisten. Auch Chaja Kaufmann kam aus den Niederlanden nach Gladbeck, um sowohl bei der Gedenkfeier als auch bei der Stolpersteinverlegung dabei zu sein.
Durch die Stolpersteine können wir zeigen, dass wir das Verbrechen der Nationalsozialisten nicht vergessen und die Geschichten und Schicksalsschläge der Opfer – und zwar jedes einzelnen Opfers - als Erinnerung und als Mahnung behalten und dass wir unsere Meinung äußern, wenn andere diskriminiert und schikaniert werden.
Zu der Heisenberger Gruppe gehörten: Miriam Brenke, Rebecca Bremer, Helin Dursun, Jonas Dworeck, Johanna Hilgers, Letizia Hoffmann, Lilly Jägers, Katharina Leibold, Lena Nerka, Leon Scholz und Luca Thiemann.
Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen und müssen unser gegenseitiges Wohl mit Mut und Courage schützen und fördern!
Erst wenn man stolpert, achtet man auf den Weg.
(Lena Nerka und Frau Dr. Giese)

 

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