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Besuch aus Israel am Heisenberg-Gymnasium

Am 26. Januar 2018 bekam unsere Schulgemeinde ganz besonderen Besuch. Gadi und Asaf Nevo, Sohn und Enkelsohn der Holocaustüberlebenden Ruth Nevo (geb. Haber), nahmen den weiten Weg aus Haifa in Israel auf sich, um den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 9 und Q2 über das Schicksal ihrer Mutter bzw. Großmutter zu berichten. Die jüdische Familie Haber, deren mittlere Tochter Ruth Nevo war, lebte ein vermutlich glückliches und zufriedenes Leben in Gladbeck. Dort betrieben sie auf der Rentforter Straße 7 ein kleines Möbelgeschäft. Dieses friedvolle und normale Leben wurde durch die Nazis jäh zerstört, als die Familie im Oktober 1938 aus Gladbeck deportiert wurde.

Alle Familienmitglieder waren seitdem verschollen und wurden vermutlich in den Vernichtungslagern der Nazis umgebracht. Nur der 16-jährigen Ruth, so berichteten Gadi und Asaf Nevo, gelang mit 50 weiteren Kindern zwischen 10 und 17 Jahren und nur von zwei Betreuern begleitet die Flucht. Auf einer Landkarte zeichneten Gadi und Asaf den Weg ihrer Mutter und Großmutter nach. Von Gladbeck aus gelang die Flucht ins rund 700 Kilometer entfernte polnische Zbaszyn. Von dort ging es weiter Richtung Osten – zum Teil zu Fuß – über Vilnius in Litauen, Moskau und Odessa, mit dem Schiff nach Istanbul, über Damaskus und Beirut nach Palästina, dem heutigen Israel. Insgesamt waren es 5500 Kilometer, die die Kinder und Jugendlichen zurücklegten.
„Meine Mutter hat den Holocaust überlebt, aber niemals darüber gesprochen, auch über die Zeit davor nicht“, sagt Gadi Nevo, der erst nach dem Tode der Mutter im Jahr 2012 mit den Recherchen über ihr Schicksal beginnt. Auch der Enkelsohn Asaf berichtet, dass er erst vor wenigen Jahren erfahren hat, welche Lebensgeschichte die Großmutter aufzuweisen hat. „Meine Großmutter war für mich immer eine glückliche zufriedene Frau“, so der Enkelsohn. Neben dem Schicksal der Mutter und Großmutter, berichteten die Nevos außerdem von ihrem heutigen Leben in Israel, von ihren Berufen und davon, dass sie –trotz der schrecklichen Vergangenheit der Familie – ein ganz normales und glückliches Familienleben führen. Die ca. 170 Schülerinnen und Schüler folgten dem Vortrag gebannt und stellten anschließend eine Menge Fragen. Dabei war es kein Problem, dass die gesamte Veranstaltung auf Englisch stattfand.
Über den Besuch einiger Gäste von der Christlich-Jüdischen-Gesellschaft aus Recklinghausen und dem Bündnis für Courage in Gladbeck bei der Veranstaltung, hat sich die Heisenberger Schulgemeinde besonders gefreut.
Stolz sind wir auch darauf, dass wir mit dieser Veranstaltung ins Rahmenprogramm der Woche der Brüderlichkeit aufgenommen wurden, die in diesem Jahr in Recklinghausen stattfindet.
Der Kontakt zu den Nevos wurde geknüpft, da unsere Schule die Patenschaft für 5 Stolpersteine für die Familie Haber im Jahr 2010 übernommen hat und somit auch 1 Stolperstein für Ruth Nevo verlegt wurde. Gadi und Asaf Nevo betonten mehrfach, dass sie das Stolpersteinprojekt sehr bemerkenswert finden und die Stolpersteine für sie eine wichtige Erinnerungsfunktion darstellen. „Sie sind so etwas wie Gräber für uns, da wir von unserer Familie nichts mehr haben,“ so Gadi Nevo.
Wir danken Gadi und Asaf Nevo für ihren Besuch und werden den Kontakt nach Israel weiterhin pflegen.
Dr. Carmen Giese

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